Meta Quest – schließt Facebook die Pforten?
Die Verunsicherung ist groß. In den vergangenen Wochen haben sich Meldungen über Entlassungen, Studioschließungen und einen spürbaren Kurswechsel bei Meta gehäuft. Viele stellen sich nun die Frage: Zieht sich Facebook – heute offiziell Meta Platforms – aus der Virtual Reality zurück? Steht die Meta Quest vor dem Aus?
Was wir dazu derzeit wirklich wissen, zeichnet ein ernüchterndes, aber differenziertes Bild.
Zunächst zu den harten Fakten: Meta hat Anfang 2026 bestätigt, dass innerhalb der VR- und AR-Sparte Reality Labs mehrere hundert bis über tausend Stellen abgebaut wurden. Gleichzeitig hat der Konzern mehrere eigene VR-Spielestudios geschlossen. Dabei handelt es sich nicht um kleine Experimente, sondern um Teams, die zentrale Aushängeschilder der Quest-Plattform entwickelt haben. Die Informationen stammen sowohl aus offiziellen Stellungnahmen als auch aus zahlreichen Berichten betroffener Entwicklerinnen und Entwickler auf LinkedIn und X. In der Branche gelten diese Angaben als gesichert.
Besonders schwer wiegt die Schließung von Sanzaru Games. Das Studio war verantwortlich für Asgard’s Wrath und Asgard’s Wrath 2, zwei der aufwendigsten und erfolgreichsten VR-Rollenspiele überhaupt. Asgard’s Wrath 2 wurde von Meta selbst massiv beworben und galt als Vorzeigetitel für die Leistungsfähigkeit der Quest 3. Dass ausgerechnet dieses Studio nun geschlossen wird, wird in Entwicklerkreisen als deutliches Signal verstanden: Selbst große Erfolge schützen nicht mehr vor dem Rotstift, wenn sie langfristig zu teuer sind.
Ebenfalls betroffen ist Armature Studio. Armature hatte sich einen Namen gemacht, indem es bekannte Marken überzeugend in die VR brachte. Besonders Resident Evil 4 VR gilt als Meilenstein: eine vollständige Umsetzung eines Klassikers, die ohne PC allein auf der Quest lief. Für viele war dieses Spiel der Beweis, dass hochwertige VR-Erlebnisse auch auf Standalone-Hardware möglich sind. Mit der Schließung des Studios endet diese Linie abrupt.
Das dritte geschlossene Team ist Twisted Pixel Games. Twisted Pixel war ursprünglich für kreative Konsolen- und Downloadtitel bekannt und arbeitete unter Meta an VR-Projekten. Zuletzt erschien mit Marvel’s Deadpool VR ein prominenter Titel – umso bemerkenswerter ist, dass das Studio kurz nach Veröffentlichung aufgelöst wurde. Das unterstreicht, wie radikal Meta derzeit vorgeht.
Diese Studioschließungen stehen nicht für sich. Bereits 2024 hatte Meta mit Ready at Dawn ein weiteres renommiertes VR-Studio geschlossen, das mit Lone Echo und Echo VR frühe Klassiker der Oculus-Ära geschaffen hatte. Rückblickend wirken die aktuellen Maßnahmen daher weniger wie ein Einzelfall, sondern wie die Fortsetzung eines länger vorbereiteten Rückzugs aus der eigenen Spieleentwicklung.
Meta selbst spricht von einer „Neuausrichtung“. Hinter diesem Begriff steckt vor allem wirtschaftlicher Druck. Reality Labs hat über Jahre hinweg Milliardenverluste verursacht. Die große Vision eines virtuellen Parallellebens mit Millionen aktiver Nutzerinnen und Nutzer hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich die Quest-Headsets weiter solide, doch viele Geräte werden nur unregelmäßig genutzt. Ein stabiles, dauerhaft wachsendes Ökosystem ist daraus bisher nicht entstanden.
Wichtig ist dennoch: Meta stellt die Quest-Brillen nicht ein. Die Geräte werden weiter verkauft, das Betriebssystem bleibt in Entwicklung, und auch neue Hardware gilt intern nicht als gestrichen. Der Store bleibt geöffnet, Drittanbieter können weiterhin Spiele und Anwendungen veröffentlichen. Der eigentliche Einschnitt betrifft etwas anderes: Meta zieht sich weitgehend aus der Rolle des großen Geldgebers für teure, exklusive VR-Spiele zurück. Genau diese Rolle hatte die Quest-Plattform in den vergangenen Jahren geprägt.
In Entwicklerkreisen wird das als tiefer Einschnitt empfunden. Meta war einer der wenigen Konzerne, die bereit waren, hohe Summen in VR-Produktionen zu investieren, ohne kurzfristige Gewinne zu erwarten. Wenn diese Finanzierung wegfällt, trifft das nicht nur einzelne Studios, sondern die gesamte Branche. Gleichzeitig ist in Foren und auf Reddit auch Erleichterung zu spüren: Weniger überzogene Versprechen, weniger gigantische Visionen – dafür vielleicht ein realistischeres Verständnis dessen, was VR heute leisten kann.
Strategisch verschiebt Meta den Fokus deutlich. Statt reiner Virtual Reality rücken leichtere Brillen in den Vordergrund, die Informationen in die reale Welt einblenden und im Alltag getragen werden können. Zudem bindet Künstliche Intelligenz zunehmend Ressourcen. Beides verspricht schneller Reichweite und geringere Abhängigkeit von einer vergleichsweise kleinen Zielgruppe.
Was bedeutet das alles für Nutzerinnen und Nutzer? Kurz gesagt: Die Quest lebt weiter, aber sie wird nüchterner. Weniger Prestigeprojekte, weniger große Versprechen, dafür mehr Konzentration auf bestehende Funktionen, Anwendungen und Drittanbieter-Inhalte. Wer bereits eine Quest besitzt, muss nicht befürchten, dass sie morgen wertlos wird. Wer jedoch auf eine Zukunft voller großer, von Meta finanzierter VR-Blockbuster gehofft hat, dürfte ernüchtert sein.
Schließt Facebook also die Pforten? Nein. Aber Meta verabschiedet sich sichtbar von Teilen seiner früheren VR-Vision. Virtual Reality bleibt ein Baustein – nur nicht mehr das Zentrum, um das sich alles dreht.