Apple Vision Pro Anfang 2026: Was Apple wirklich vorhat – und was gerade wackelt
Wer Apples Vision Pro nur als „VR-Brille“ abstempelt, verpasst die Richtung, in die Apple das Gerät drückt: Es soll eine neue Art Computer sein, der digitale Inhalte fest im Raum platziert und mit dem Alltag verknüpft. Nur zeigt sich Anfang Januar 2026 sehr deutlich: Apple baut die Plattform weiter aus – aber die große Massenwelle ist bislang ausgeblieben. Und genau daraus ergeben sich Apples nächsten Schritte.
Die klare Linie: Plattform pflegen, Inhalte ausbauen, Hürden senken
Offiziell wirkt Apples Fahrplan erstaunlich bodenständig. Statt einer völlig neuen Generation setzt Apple zuletzt auf ein Update der Hardware, ein großes System-Update und vor allem auf Inhalte, die den „Aha-Moment“ liefern sollen.
Im Oktober 2025 hat Apple die Vision Pro mit M5-Chip aufgefrischt und gleichzeitig ein neues Kopfband („Dual Knit Band“) eingeführt, das explizit den Tragekomfort verbessern soll. Apple verspricht dabei unter anderem mehr Leistung, bessere Darstellung, längere Laufzeit und ein angenehmeres Tragegefühl – ohne den Einstiegspreis zu senken.
Parallel dazu hat Apple mit visionOS 26 Funktionen vorgestellt, die weniger nach Technikspielerei klingen und mehr nach „so nutze ich das jeden Tag“: Elemente, die wie fest angebrachte Infokacheln im Raum bleiben, deutlich verbesserte Avatare für Videogespräche, neue Möglichkeiten für Fotos mit räumlicher Tiefe – und auch handfeste Dinge wie Unterstützung für PlayStation-VR2-Controller sowie bessere Einbindung von 180-/360-Grad-Aufnahmen (z. B. von GoPro, Canon, Insta360).
Die Botschaft dahinter ist ziemlich eindeutig: Apple will, dass die Vision Pro nicht nur für Demos taugt, sondern für Arbeit, Medienkonsum und Kommunikation – also für Situationen, in denen Menschen ein Gerät regelmäßig aufsetzen würden.
Apples „Zugpferd“: Sport und Film als Eintrittskarte
Wenn es um Gründe geht, die Brille wirklich aufzusetzen, setzt Apple auffällig stark auf professionell produzierte Inhalte.
Ein Beispiel ist der Ausbau von „Apple Immersive“ (Apples eigenes Format für besonders mitreißende Videos): Apple hat im September 2025 neue Produktionen und Partner angekündigt – von Dokumentationen bis zu Reise- und Naturformaten.
Noch konkreter wird es beim Sport: Apple und Spectrum haben für Anfang Januar 2026 Live-Basketballspiele der Los Angeles Lakers in einem neuen Übertragungsformat angekündigt, das mehrere Kameraperspektiven und Grafiken im Raum kombiniert. Das ist nicht „ein weiterer Stream“, sondern Apples Versuch, Live-Sport als Erlebnis zu verkaufen, das es ohne Brille so nicht gibt.
Man kann das als Umweg verstehen – aber es ist strategisch logisch: Solche Inhalte erklären das Produkt oft besser als jede technische Beschreibung.
Der Gegenwind: Produktion und Werbung werden offenbar zurückgefahren
Während Apple die Plattform weiter füttert, berichten mehrere Medien gleichzeitig, dass Apple Produktion und Marketing deutlich zurücknimmt.
Die Financial Times schrieb Ende Dezember 2025, Apple habe Fertigung und Vermarktung nach schwächerer Nachfrage zurückgefahren. In Deutschland griff etwa heise das Thema auf und berichtet von einer Kürzung des Werbebudgets um 95 Prozent. Auch The Guardian berichtet, Apple habe nach schwachen Verkäufen die Produktion zurückgefahren; als Gründe werden Preis, Tragekomfort, Akkulösung und ein noch überschaubares App-Angebot genannt.
Wichtig ist dabei der Blick auf Apples Doppellogik: Weniger Werbung und vorsichtigere Stückzahlen heißen nicht automatisch „Aus“. Es kann auch heißen: Apple will das Thema weiterentwickeln, aber ohne so zu tun, als stünde der nächste iPhone-Moment unmittelbar bevor.
Was das für die nächsten Schritte bedeutet
Aus den offiziellen Ankündigungen und den Berichten über das Zurückfahren lassen sich drei sehr wahrscheinliche Prioritäten herauslesen:
Apple macht die Vision Pro eher zu einem „besseren Produkt“ als zu einem „neuen Produkt“.
Der M5-Schritt plus komfortableres Kopfband wirkt wie Schadensbegrenzung an zwei Hauptkritikpunkten: Leistung/Alltagstauglichkeit und Tragegefühl.
Apple setzt auf „Gründe zum Aufsetzen“.
Live-Sport, hochwertige Filme, neue Medienformate: Das ist Apples Hebel, um aus Technik ein Ritual zu machen.
Apple baut das Ökosystem, damit Dritte nachziehen.
Controller-Unterstützung, neue Schnittstellen, bessere Videoformate – das sind Signale an Entwickler und Medienhäuser: „Hier lohnt sich Arbeit.“
Und was kommt als Nächstes an Hardware? Zwischen Gerücht und Realität
Offiziell hält Apple sich bedeckt – und genau deshalb leben Debatten gerade stark von Leaks und Community-Diskussionen.
In der Vision-Pro-Community wird zum Beispiel eher skeptisch diskutiert, ob kurzfristig schon das „nächste große Modell“ kommt; in einem Reddit-Thread wird mehrheitlich davon ausgegangen, dass vor Herbst 2026 eher keine völlig neue Vision-Pro-Generation erscheint und Apple stattdessen an anderen Brillenformen arbeitet.
Auch auf X (Twitter) ist die Stimmung rund um Zubehör- und Komfortthemen gut sichtbar: Bloomberg-Reporter Mark Gurman kommentierte etwa, das neue Kopfband hätte Apple den Erstkäufern am besten kostenlos geben sollen – ein kleiner Satz, der viel über die Wahrnehmung des Preis-/Komfort-Verhältnisses sagt.
Zu möglichen „leichteren“ oder günstigeren Varianten kursieren weiterhin Berichte, unter anderem auch in deutschen Medien; ob und wann so etwas kommt, bleibt aber Spekulation.
Der Stand in Deutschland: weiter verfügbar, weiter teuer, stärker kuratiert
In Deutschland ist die Vision Pro weiterhin offiziell im Apple Store erhältlich – der Preis liegt hier laut Apple-Shop bei ab 3.699 € (je nach Ausstattung mehr). Das unterstreicht, warum Apple gerade so stark auf Inhalte und Komfort setzt: Bei diesem Preis muss der Nutzen im Alltag spürbar sein, nicht nur beeindruckend im Laden.
Fazit: Apple geht den langen Weg – aber mit kleinerem Gang
Apples aktuelle VR-Pläne (im Sinne von „virtuelle Inhalte um uns herum“) wirken Anfang 2026 wie ein kontrollierter Umbau: Das Gerät wird verbessert, das System wird alltagstauglicher, und Inhalte sollen den Ausschlag geben. Gleichzeitig deuten die Berichte über reduzierte Produktion und drastisch gesenkte Werbeausgaben darauf hin, dass Apple die Erwartungen runterdreht und das Thema eher wie eine Plattform aufbaut als wie einen schnellen Verkaufsschlager.
Die nächsten Schritte sind deshalb weniger „Vision Pro 3“ als „Vision Pro sinnvoll machen“: leichter zu tragen, besser zu nutzen, besser zu füllen – und irgendwann, wenn Technik und Preis es erlauben, in Formen zu bringen, die man nicht nur gelegentlich aufsetzt, sondern gerne.