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Was plant Pico als Nächstes? Project Swan, Pico OS 6 und die nächste Generation der VR-Brillen

Pico steht an einem interessanten Punkt. Die Pico 4 Ultra ist noch immer das aktuelle Mixed-Reality-Headset der Marke und zeigt, wohin sich Pico nach der ursprünglichen Pico 4 bereits bewegt hat: weg von einer reinen Standalone-VR-Brille, hin zu einem Gerät, das VR, Mixed Reality, PC-Streaming, räumliche Videos, Multitasking und Körpertracking stärker miteinander verbindet. Doch die eigentliche nächste große Neuerscheinung wird offenbar nicht einfach eine „Pico 5“ im klassischen Sinn. Der wichtigste Name, den man sich derzeit merken sollte, lautet Project Swan.

Project Swan ist der Codename für Picos kommendes Flaggschiff-Headset. Pico spricht dabei nicht nur von einer neuen VR-Brille, sondern von einer Plattform für Spatial Computing. Das ist mehr als Marketing. Während Pico 4 und Pico 4 Ultra noch klar aus der Standalone-VR-Welt kommen, soll Project Swan stärker in Richtung räumliches Arbeiten, Mixed Reality und App-Multitasking gehen. Es geht also nicht nur darum, Spiele in VR darzustellen, sondern darum, mehrere digitale Inhalte gleichzeitig im Raum nutzbar zu machen: 2D-Fenster, 3D-Anwendungen, virtuelle Umgebungen und reale Umgebung sollen stärker ineinandergreifen.

Der geplante Zeitraum ist inzwischen deutlich konkreter als bei vielen früheren Pico-Gerüchten. Project Swan soll weltweit Ende 2026 starten. Ein exakter Monat, ein Preis, ein finaler Produktname und konkrete Vorbestelltermine sind aber noch nicht bekannt. Für Käufer bedeutet das: Wer jetzt eine Pico-Brille sucht, landet weiterhin bei der Pico 4 Ultra beziehungsweise bei der Enterprise-Variante. Wer auf die nächste große Generation wartet, blickt dagegen auf die zweite Jahreshälfte 2026 und sollte damit rechnen, dass Pico zunächst Entwickler, Early-Access-Nutzer und Partner enger einbindet, bevor das Gerät regulär in den Handel kommt.

Technisch ist Project Swan vor allem wegen des Displays spannend. Pico nennt für die neue Hardware ein speziell angepasstes MicroOLED-System mit einer Pixeldichte von rund 4000 PPI. Noch wichtiger als die reine PPI-Zahl ist der Wert der wahrgenommenen Bildschärfe: Pico spricht von etwa 40 Pixeln pro Grad im Durchschnitt und bis zu 45 Pixeln pro Grad im zentralen Sichtbereich. Genau dieser Punkt ist für VR und Mixed Reality entscheidend. Je höher die Pixeldichte pro Blickwinkel, desto besser lassen sich kleine Schriften, Menüs, Dokumente, Webseiten und produktive Arbeitsflächen lesen. Damit rückt Project Swan weniger in die Kategorie „nur Gaming-Brille“, sondern eher in die Richtung eines Headsets, das auch als räumlicher Arbeitsplatz funktionieren soll.

Das passt zu Pico OS 6, dem neuen Betriebssystem, das zusammen mit Project Swan vorgestellt wurde. Pico OS 6 ist nicht nur ein optisches Update der bisherigen Oberfläche. Es ist auf räumliches Multitasking ausgelegt. Der Nutzer soll nicht mehr nur eine App starten und danach vollständig in dieser App verschwinden, sondern Inhalte nebeneinander und miteinander verwenden können. Genau hier setzt der Begriff PanoScreen an: große, frei platzierbare Fenster im Raum, mehrere Anwendungen gleichzeitig und eine Oberfläche, die sich stärker wie ein räumliches Betriebssystem anfühlen soll.

Für Pico ist das strategisch wichtig. Die Pico 4 Ultra bietet bereits einen PanoScreen-Arbeitsbereich, PC- und Smartphone-Spiegelung, Mixed-Reality-Funktionen und Wi-Fi 7-Unterstützung. Project Swan wirkt wie der nächste Schritt dieser Entwicklung: bessere Displays, deutlich mehr Rechenleistung, niedrigere MR-Latenz und ein Betriebssystem, das nicht nachträglich an Mixed Reality angepasst wird, sondern von Anfang an für diese Arbeitsweise gedacht ist. Die Richtung ist klar: Pico will nicht nur mit klassischen VR-Spielen punkten, sondern stärker in die Lücke zwischen VR-Headset, virtuellem Monitor, Mixed-Reality-Brille und Arbeitsgerät.

Auch die Rechenarchitektur soll deutlich moderner werden. Pico beschreibt für Project Swan eine Dual-Chip-Strategie mit einem leistungsstarken Hauptchip und zusätzlicher XR-Spezialhardware. Das ist besonders für Mixed Reality relevant. Bei einem Headset, das reale Umgebung und digitale Inhalte überzeugend kombinieren will, reicht ein schneller Prozessor allein nicht aus. Kameradaten, Tiefeninformationen, Tracking, Darstellung und Verzerrungskorrektur müssen extrem schnell verarbeitet werden, damit die virtuelle Ebene stabil in der realen Umgebung liegt. Pico nennt hier eine Mixed-Reality-End-to-End-Latenz von etwa 12 Millisekunden. In der Praxis wäre das ein wichtiger Schritt, weil MR nur dann natürlich wirkt, wenn Kopfbewegungen, Umgebungserfassung und digitale Darstellung nahezu verzögerungsfrei zusammenpassen.

Beim Vergleich mit der Pico 4 Ultra wird der Generationssprung deutlicher. Die Pico 4 Ultra setzt auf den Snapdragon XR2 Gen 2, 12 GB Arbeitsspeicher und ein Display mit 2160 × 2160 Pixeln pro Auge bei bis zu 90 Hz. Für heutige Standalone-VR und PCVR-Streaming ist das eine starke Basis. Project Swan zielt aber offensichtlich eine Klasse höher. Die höhere Displaydichte, der stärkere Fokus auf produktives Multitasking und die spezielle XR-Hardware sprechen dafür, dass Pico damit ein Premiumgerät plant. Ob es preislich eher im oberen Consumer-Segment oder klar im Profi- beziehungsweise Enthusiastenbereich landet, ist noch offen. Wer auf einen günstigen direkten Nachfolger der Pico 4 hofft, sollte seine Erwartungen deshalb vorsichtig formulieren.

Interessant ist auch, was aktuell nicht angekündigt ist. Eine klassische Pico 5 als direkter, breit angelegter Nachfolger der Pico 4 ist derzeit nicht offiziell in Sicht. Die sichtbare Roadmap besteht im Moment eher aus zwei Ebenen: Die Pico 4 Ultra bleibt das aktuelle Modell für Nutzer, die heute ein Pico-Headset kaufen möchten. Project Swan ist das nächste große Zukunftsprojekt und soll Ende 2026 die neue Plattformgeneration einleiten. Das bedeutet nicht, dass Pico nie wieder ein günstigeres Headset bringen wird. Aber die bislang bekannten Informationen zeigen klar: Die nächste große Neuerscheinung wird nicht als einfacher Refresh der Pico 4 kommuniziert, sondern als neues Flaggschiff für räumliches Computing.

Für Entwickler läuft die Vorbereitung bereits. Pico hat rund um Pico OS 6 neue Werkzeuge, Dokumentation und Entwicklerangebote in den Vordergrund gestellt. Das ist bei einem Headset wie Project Swan besonders wichtig, denn Hardware allein reicht in diesem Markt nicht. Eine hochauflösende Brille wird nur dann attraktiv, wenn Apps, Spiele, Web-Inhalte, Android-Anwendungen, 3D-Erlebnisse und PCVR-Workflows sinnvoll zusammenkommen. Pico muss also nicht nur ein gutes Headset bauen, sondern ein Ökosystem schaffen, in dem Entwickler ihre bestehenden Inhalte relativ leicht anpassen können. Genau hier versucht Pico anzusetzen: Project Swan soll nicht nur für klassische XR-Studios interessant sein, sondern auch für Entwickler, die aus Mobile, Web, PC oder Game Engines kommen.

Für Spieler bleibt die Lage etwas zweigeteilt. Einerseits wird Project Swan technisch auch für VR-Gaming spannend, denn bessere Displays, stärkere Grafikleistung und präzisere Mixed Reality helfen natürlich auch Spielen. Andererseits klingt die bisherige Positionierung weniger nach einem reinen Gaming-Headset und stärker nach einem Premiumgerät für Mixed Reality, Multitasking und Produktivität. Wer hauptsächlich Beat Saber, VRChat, PCVR-Streaming oder Standalone-Spiele nutzen möchte, ist mit einer Pico 4 Ultra kurzfristig vermutlich näher an einem realistischen Kaufprodukt. Wer dagegen auf eine sehr hochauflösende Brille für Arbeit, Medien, Mixed Reality und anspruchsvolle Spatial-Apps wartet, sollte Project Swan im Auge behalten.

Ein weiterer Punkt ist die Kompatibilität. Pico OS 6 ist eng mit Project Swan verbunden. Für bestehende Pico-4- und Pico-4-Ultra-Nutzer ist deshalb noch nicht klar, welche Funktionen später auf aktueller Hardware landen und welche exklusiv an Project Swan gebunden bleiben. Dass Pico die neue Plattform architektonisch stark auf das kommende Headset ausrichtet, ist nachvollziehbar: Funktionen wie extrem latenzarme Mixed Reality, mehrere räumliche Apps und ein neues Rendering-Modell hängen stark von Sensorik, Chipdesign und Displaytechnik ab. Man sollte daher nicht automatisch davon ausgehen, dass alle Pico-OS-6-Funktionen vollständig auf ältere Geräte kommen.

Unterm Strich lässt sich Picos Fahrplan derzeit recht klar zusammenfassen: Kurzfristig bleibt die Pico 4 Ultra das relevante Headset im Handel. Sie ist die aktuelle Mixed-Reality-Generation von Pico und bietet bereits viele Funktionen, die früher eher High-End-Geräten vorbehalten waren. Der nächste große Sprung ist Project Swan. Dieses Gerät soll Ende 2026 weltweit erscheinen und bringt voraussichtlich MicroOLED-Displays mit sehr hoher Pixeldichte, deutlich stärkere Rechenleistung, eine speziellere Mixed-Reality-Verarbeitung und Pico OS 6 als neues räumliches Betriebssystem mit.

Für VR-Fans ist das eine spannende, aber auch abwartende Situation. Pico meldet sich nicht mit einem einfachen „mehr vom Gleichen“ zurück, sondern versucht offenbar, die eigene Hardwarestrategie neu zu schärfen. Die Marke will nicht nur eine Alternative zu bekannten Standalone-Headsets sein, sondern stärker in Richtung Spatial Computing wachsen. Ob Project Swan am Ende ein Durchbruch wird, hängt von drei Dingen ab: dem Preis, dem Tragekomfort und dem App-Angebot zum Start. Die technischen Eckdaten klingen sehr ambitioniert. Jetzt muss Pico zeigen, dass daraus nicht nur ein beeindruckendes Datenblatt entsteht, sondern ein Headset, das im Alltag wirklich überzeugt.