Steam Frame offenbar kurz vor dem Start: Steam Machine startet mit Reservierungs-Lotterie
Valves neuer Hardware-Rollout wird konkret. Die Steam Machine ist ab sofort nicht einfach klassisch bestellbar, sondern über ein neues Reservierungssystem verfügbar. Für VR-Fans ist das mehr als nur eine Nachricht über Valves Wohnzimmer-PC: Der Start der Steam Machine wirkt wie der nächste sichtbare Schritt vor der Steam Frame, Valves kommender kabelloser VR-Brille mit SteamOS.
Offiziell ist die Steam Frame weiterhin ohne Preis und ohne konkretes Kaufdatum gelistet. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise, dass Valve den Marktstart vorbereitet. In den vergangenen Wochen tauchten immer wieder Zoll- und Importspuren auf, die auf aufgefüllte Lagerbestände bei Valve hindeuten. Diese Daten sind kein offizieller Beweis für ein bestimmtes Produkt und sollten deshalb nicht überinterpretiert werden. Im Zusammenspiel mit Valves offiziellen Aussagen, dem nun gestarteten Steam-Machine-Verfahren und der bereits angekündigten Sommer-Verfügbarkeit von Steam Machine und Steam Frame ergibt sich aber ein deutliches Bild: Die neue Steam-Hardware-Familie ist nicht mehr in der reinen Ankündigungsphase.
Valve beschreibt Steam Frame auf der offiziellen Steam-Seite als kabelloses VR-Headset mit Controllern, das die gesamte Steam-Bibliothek abdecken soll. Gemeint sind nicht nur klassische VR-Spiele, sondern auch normale PC-Spiele, die im Headset auf einer virtuellen Leinwand gespielt werden können. Gleichzeitig unterstützt Steam Frame Standalone-Play, läuft mit SteamOS und setzt laut offizieller Qualcomm-Geräteseite auf den Snapdragon 8 Gen 3. Damit ist Steam Frame keine reine PC-VR-Brille wie die alte Valve Index, sondern ein eigenständiges SteamOS-Gerät im Headset-Format.
Genau das macht die aktuelle Steam-Machine-Ankündigung für VR-Nutzer so interessant. Valve hatte Steam Controller, Steam Machine und Steam Frame gemeinsam als neue Hardware-Generation vorgestellt. Auf der Steam-Hardware-Seite werden Steam Deck, Steam Machine und Steam Frame ausdrücklich als SteamOS-Geräte derselben Familie positioniert. Außerdem hat Valve das Verified-Programm inzwischen auf Steam Machine und Steam Frame erweitert und dabei erneut bestätigt, dass beide Geräte im Sommer erscheinen sollen. Wenn nun die Steam Machine als erstes großes System in die Reservierungsphase geht, wirkt die Steam Frame wie der nächste logische Kandidat.
Wichtig ist aber die Unterscheidung zwischen offizieller Information und naheliegender Schlussfolgerung. Offiziell bestätigt ist derzeit: Die Steam Machine startet mit Preisen, Modellen und Reservierungsverfahren. Die Steam Frame kommt laut Valve ebenfalls im Sommer, hat aber noch keinen Preis und noch kein eigenes Reservierungsfenster. Nicht offiziell bestätigt ist, dass Valve bei Steam Frame exakt dasselbe Verfahren einsetzt. Angesichts knapper Komponenten, erwartbar hoher Nachfrage und Valves klarer Anti-Scalping-Strategie wäre ein ähnliches System aber sehr plausibel.
Bei der Steam Machine spricht Valve offen von einem ungewöhnlichen Hardware-Start. RAM- und Speicherpreise haben sich anders entwickelt als ursprünglich erwartet, und auch die Verfügbarkeit einzelner Komponenten war zeitweise schwierig. Deshalb fällt der Startbestand offenbar begrenzt aus. Um Bots, Wiederverkäufer und den klassischen „wer zuerst klickt, gewinnt“-Stress zu reduzieren, setzt Valve auf eine zufällig gemischte Reservierungsreihenfolge.
Für Käufer bedeutet das: Die Steam Machine ist nicht einfach sofort im Warenkorb. Interessierte können sich bis Donnerstag, den 25. Juni 2026 um 19:00 Uhr MESZ für bis zu vier Varianten registrieren. Nach Ablauf der Frist werden alle Einträge per Zufallsgenerator gemischt. Anschließend informiert Valve per E-Mail, ob man direkt in der Reservierungswarteschlange gelandet ist oder zunächst auf der Warteliste steht.
Die Preise in Deutschland beziehungsweise der EU fallen deutlich höher aus, als viele noch vor einigen Monaten gehofft hatten. Die Steam Machine 512 GB kostet 1.039 Euro. Das Bundle aus Steam Machine 512 GB und Steam Controller liegt bei 1.108 Euro. Die Steam Machine 2 TB kostet 1.359 Euro. Das 2-TB-Bundle mit Steam Controller liegt bei 1.428 Euro. Die 2-TB-Versionen enthalten zusätzlich zwei abnehmbare Frontblenden aus rotem Stoff und massivem Walnussholz. Alle Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer, sofern zutreffend.
Technisch setzt die Steam Machine auf einen modifizierten AMD-Zen-4-Prozessor mit sechs Kernen und zwölf Threads, eine angepasste AMD-RDNA3-Grafikeinheit mit 28 Compute Units, 16 GB DDR5-Arbeitsspeicher und 8 GB GDDR6-VRAM. Dazu kommen je nach Modell 512 GB oder 2 TB NVMe-Speicher, ein microSD-Steckplatz, WLAN 6E, Bluetooth 5.3, Gigabit-Ethernet und ein integrierter Funkadapter für den Steam Controller. Das Gerät ist als kompakter Würfel mit rund 16 Zentimetern Seitenlänge ausgelegt und läuft mit SteamOS 3. Valve spricht von mehr als der sechsfachen Leistung im Vergleich zum Steam Deck und bewirbt FSR-unterstütztes 4K-Gaming mit 60 Bildern pro Sekunde.
Für Käufer ist das Reservierungssystem entscheidender als die reinen Daten. Wer eine E-Mail mit Kaufoption erhält, muss nicht automatisch kaufen. Man bekommt dann 72 Stunden Zeit, um den Kauf abzuschließen. Wird in dieser Zeit nicht gekauft, verfällt die Reservierung und Valve arbeitet den nächsten Platz in der Warteschlange ab. Die ersten verfügbaren Geräte sollen ab Montag, dem 29. Juni, in den Versand gehen. Danach wird die Reservierungswarteschlange schrittweise abgearbeitet, sobald weitere Geräte verfügbar sind.
Interessant ist auch die Modelllogik. Jedes Steam-Machine-Modell hat eine eigene Registrierungsliste. Wer sich für mehrere Varianten einträgt, erhöht damit voraussichtlich die Chance, überhaupt eine Kaufoption zu bekommen. Gleichzeitig bekommt man aber nicht mehrere Geräte. Wenn ein Nutzer bei mehreren Modellen erfolgreich ist, weist Steam automatisch die Reservierung für das hochwertigste Modell zu und entfernt die übrigen Optionen. Wer sich also für alle vier Varianten einträgt, sollte auch bereit sein, im Extremfall das teuerste 2-TB-Bundle für 1.428 Euro zu kaufen.
Für Interessenten ist die praktische Regel deshalb einfach: Wer unbedingt irgendeine Steam Machine möchte und jedes Modell bezahlen würde, sollte alle vier Varianten auswählen. Wer ein klares Preislimit hat, sollte nur die Modelle wählen, die wirklich infrage kommen. Wer nur die günstigste Version möchte, sollte auch nur diese auswählen, nimmt dann aber eine geringere Chance auf eine frühe Reservierung in Kauf.
Valve setzt zusätzlich klare Teilnahmebedingungen. Der Steam-Account darf nicht negativ aufgefallen sein, es muss vor dem 27. April 2026 ein Kauf auf Steam getätigt worden sein, und pro Haushalt ist nur eine Registrierung möglich. Valve nutzt dafür unter anderem Zahlungsdaten, Lieferadresse und weitere Informationen, um Mehrfachregistrierungen auszuschließen. Nachträgliche Registrierungen nach dem 25. Juni landen automatisch am Ende der Warteliste.
Für Steam Frame könnte genau dieses Verfahren zum Vorbild werden. Die Gründe, die Valve bei der Steam Machine nennt, gelten für die VR-Brille sogar noch stärker. Steam Frame enthält Display, Optik, Tracking, Akku, Funktechnik, Controller, Speicher, Prozessor und ein eigenes SteamOS-System. Wenn schon die Steam Machine wegen Speicher- und Komponentenlage nur kontrolliert in den Markt geht, wäre es überraschend, wenn Valve die Steam Frame bei ähnlicher Nachfrage einfach frei und ohne Warteschlange verkauft.
Für VR-Fans heißt das: Wer die Steam Frame zum Start kaufen möchte, sollte die offizielle Steam-Frame-Seite auf die Wunschliste setzen, den eigenen Steam-Account prüfen und Zahlungs- sowie Lieferdaten aktuell halten. Sollte Valve auch hier ein Registrierungsfenster öffnen, dürfte es nach dem Steam-Machine-Muster nicht entscheidend sein, in der ersten Minute zu klicken. Entscheidend wäre dann, die Frist nicht zu verpassen und nur die Varianten auszuwählen, die man wirklich kaufen möchte.
Die Steam Machine ist damit nicht nur Valves neuer Versuch, PC-Gaming ins Wohnzimmer zu bringen. Sie ist auch ein Testlauf für den nächsten Hardware-Start. Das Losverfahren zeigt, wie Valve mit knapper Ware, hoher Nachfrage und Scalping umgehen will. Für die Steam Frame wäre ein ähnlicher Ablauf keine Überraschung, sondern fast die konsequente Fortsetzung dieser Strategie.
Unterm Strich rückt die Steam Frame damit spürbar näher, auch wenn der eigentliche Startschuss noch fehlt. Die offizielle Sommer-Aussage steht, die Steam-Machine-Reservierung läuft, SteamOS und Verified-Programm sind vorbereitet, und die jüngsten Lager- und Importhinweise passen in dieses Bild. Noch ist nicht der Moment, an dem man die Steam Frame kaufen kann. Aber es ist sehr wahrscheinlich der Moment, an dem man sich darauf vorbereiten sollte.